TU Berlin

Fachgebiet für Unternehmensrechnung & Controlling

Überblick

Der Forschungsschwerpunkt meiner Aktivitäten ist und war die Entwicklung computer­gestützter Verfahren zur modellgestützten operativen Planung und Kontrolle von Unternehmen.

Wenn die Frage gestellt wird, nach welchen Prinzipien eine modellgestützte Gesamtplanung von Unternehmen realisiert werden soll, dann gibt es in der Literatur nur ein formales Planungsverfahren, welches hierfür in Frage kommt: die Optimierungslogik der Entscheidungstheorie.

Beobachtet man dagegen die tatsächlich realisierte operative Planung in Unternehmen, wie sie beispielsweise in dem von mehr als 100.000 Unternehmen eingesetzten Planungs- und Kontrollsystem des SAP-CO-Moduls verwendet wird, dann kann man r feststellen, dass keine optimierende Planung realisiert wird. Praktiziert wird vielmehr ein Planungsverfahren, welches darin besteht, daß bestimmte Verantwortungsbereiche sich bereit erklären für ein anstehendes Planjahr bestimmte quantitative Größen wie Absatzmengen, Kostensätze oder Ausschußquoten zu realisieren. Diese Verfahren besteht in einer Art Zielverpflichtungsplanung nach dem Grundsatz: Make people responsible for numbers.

Diese beobachtbaren Ansätze einer Zielverpflichtungsplanung und deren Kontrolle wurden von mir analysiert und daraus ein System von Vorschriften entwickelt, die exakt vorschreiben, wie diese Planung und Kontrolle durchgeführt werden soll. Diese Vorschriften bestehen aus zwei Teilen: Vorschriften im Hinblick auf die Struktur und Semantik der zu verwendenden Planungsmodelle einer Zielverpflichtungsplanung sowie den prozeduralen Vorschriften zur Verwendung der entwickelten Planungsmodelle im Rahmen einer Planungs- und Kontrollprozedur. Diese Planungs- und Kontrollprozedur wird als Integrierte Zielverpflichtungsplanung bezeichnet.

Zur Erstellung von Kosten-Leistungsmodellen, wurde ein Hyperstrukturmodell entwickelt, welches EDV-gestützt durch Parametrisierung (Konfiguration) zu einem Strukturmodell eines in Frage stehenden Unternehmens konkretisiert werden kann. Die Gleichungen dieses Strukturmodells korrespondieren mit einem Modelltableausystem, anhand dessen auch die Konfiguration betrieben wird. Die Parameter des konfigurierten Gleichungsmodells sind im Sinne der entwickelten Logik einer Zielverpflichtungsplanung interpretierbar.

Mit Hilfe eines Übernahmeprogrammes sind verschiedene Kosten-Leistungsmodelle von Unternehmen, die im Rahmen des SAP-CO-Moduls konfiguriert wurden in die Syntax und Semantik des Modells einer Zielverpflichtungsplanung überführt worden. Das größte auf solche Weise überführte Modell war das Plan-Kosten-Leistungsmodell  Modell von Thyssen-Krupp Steel, das 2,6 Millionen Gleichungen mit mehr als 200.000 Parametern umfasste und eine mehrstufige Planung beschrieb, die bis zu 33 Produktionsstufen umfasste. Es handelt sich wohl um das weltweit größte Plan-Kosten-Leistungsmodell. Dieses Modell wurde über mehrere Jahre von Thyssen-Krupp Steel für die gesamte operative Jahresplanung verwendet. Solche Umsetzungen erfolgten beispielsweise auch mit der gesamten Plan-Kosten-Rechnung von VW (562.266 Gleichungen), der Deutschen Bank (600.373 Gleichungen), der Schering AG und BEWAG um nur einige zu nennen.

Die anhand einer solchen Übernahme erzeugten Gleichungsmodelle können danach in die Planungsprozedur einer Integrierten Zielverpflichtungsplanung eingebunden werden. Diese Prozedur besteht aus der Bottom-Up-, der Top-Down- und der Konfrontationsplanung. Die gesamte Planungstriade läuft computergestützt ab und führt schließlich zur Vereinbarung bestimmter quantitativer Zielverpflichtungen der Verantwortungsbereiche und einem Planendwert des Betriebsergebnisses.

Neben den Planungsmodellen wurden auch Istmodelle mit dem INZPLA-System entwickelt. So wurde beispielsweise ein Istmodell der Prozesskostenrechnung für die Landesbank Berlin erstellt. Dieses Ist-Kosten-Prozess-Modell erfasste Ist-Kosten von über 400 Millionen DM, die mehr als 1.200 Elementarprozessen (Aktivitäten) zugeordnet wurden. Es beschreibt die Verknüpfung dieser Elementarprozesse zu Hauptprozessen und die Verteilung der Kosten dieser Hauptprozesse auf bestimmte Produkte.

Es handelt sich um eine anwendbare Theorie. Daher wird das gesamte Verfahren durch ein sehr großes Programmsystem unterstützt. Der Anspruch ist trotz des großen EDV-Aufwands ein methodischer: die Entwicklung einer neuartigen, anwendbaren Planungs- und Kontrolllogik der Unternehmensgesamtplanung.

Literatur

Eine einfache Beschreibung der Konzeption der Integrierten Zielverpflichtungsplanung findet man in:

Zwicker, E.: Konzeption und Entwicklung eines operativen Controlling-Systems, in: Weber, J., Hirsch, B. (Hrsg.), Controlling als akademische Disziplin - Eine Bestandsaufnahme, Wiesbaden 2002, S. 239-254

Eine ausführlichere Beschreibung in:

Zwicker, E.: Einführung in die operative Zielverpflichtungsplanung und -kontrolle , Berlin 2010

Der theoretische Unterbau für die Anwendung von Modellen zur Planung und Analyse wird vermittelt in:

Zwicker, E.: Simulation und Analyse dynamischer Systeme in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Berlin 1981 (618 S.)

Dissertationen

Die an dem Fachgebiet erstellten Dissertationen beschäftigen sich sämtlich mit bestimmten Aspekten einer computergestützten operativen Planung und speziellen Fragen zum System einer Integrierten Zielverpflichtungsplanung.

 

Hierzu einige Beispiele

Kalz, A.: Konzeptionelle Entwicklung eines gleichungs- und tableaubasierten Modells zur parallelen Bilanzierung nach HGB und IAS, Diss. Berlin 2005

Flemming, A.: Integrierte Plankostenrechnung mit SAP R/3 unter Verwendung von INZPLA-Gleichungsmodellen, Diss. Berlin 2005

Hummen, J. P.: Konzeption eines Modells zur gleichungs- und tableaubasierten Unternehmensergebnis- und Finanzplanung und Entwicklung eines Prototyps zur computergestützten Konfiguration, Diss. Berlin 2005

Lemcke, H.: Integrierte Zielverpflichtungsplanung und Gesamtergebnisrechnung in Finanz- und Kreditinstituten, Diss. Berlin 2005

Friedrichs, U.: EDV-gestützte Konsolidierungsfunktionalitäten ? Analyse der SAP R/3-Komponente EC-CS und Konzeption einer gleichungsorienten Modelltableausystematik, Diss. Berlin 2005

Starke, R.: Berichts- und Analysesysteme: Konzeption und Entwicklung eines Prototypen für ein gleichungsbasiertes Planungs- und Kontrollsystem, Diss. Berlin 2003

Werner, M.: Prozeßkostenrechnungsmodelle für Banken - Modellierung, Anwendung und Umsetzung

Braun, D.: Bereichsziel- und Bestandsmodellierung im Rahmen der integrierten Zielplanung, Diss. Berlin 2001

Golas, E. A.: Konzeption eines Prototypen für die Überführung der SAP-R/3-Kosten-Leistungsrechnung in ein gleichungsbasiertes Kosten-Leistungsmodell, Diss. Berlin 2001

La, B. M: Strukturanalyse gleichungsorientierter Planungsmodelle, Diss. Berlin 1997

Elsholz, S.: Das RK-System der SAP AG als Ausgangsbasis zur Entwicklung eines Unternehmensgesamtplanungsmodells, Diss. Berlin 1997